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"Mein Arzt findet nichts"

Körperliche Beschwerden ohne ausreichenden Befund

 

Bei Rund einem Drittel aller Patienten, die sich mit anhaltenden Körperbeschwerden bei ihrem Arzt vorstellen, findet dieser keine körperlichen Ursachen, die die Beschwerden hinreichend erklären würden. Solche Beschwerden nennt die Medizin „nicht spezifisch“, „funktionell“ oder „somatoform“.

 

Bei manchen Beschwerden, wie z.B. einer Erschöpfungssymptomatik werden besonders selten eindeutige körperliche Ursachen gefunden. Glücklicherweise verlaufen diese Beschwerden in den meisten Fällen unkompliziert. Es können schon einfache Maßnahmen dazuführen, dass eine Besserung eintritt, wie z.B. ein offenes Gespräch, eine Aufklärung über mögliche Hintergründe oder eine gemeinsame Besprechen von den oft harmlosen Befunden. Wichtig ist aber auch eine Ermutigung zu mehr Achtsamkeit im Umgang mit sich selbst, vor allem aber zu körperlicher und sozialer Aktivität, um den z.T. sehr hohen Alltagsbelastungen eine ausreichende Balance gegenüber zu stellen.

 

In etwa einem Viertel der Fälle sind die Beschwerden aber durch ihre Vielzahl, Dauerbeeinträchtigung des Alltages, psychische Symptome und Begleiterkrankungen oder einfach durch das Gefühl sich nicht verstanden zu fühlen besonders belastend.

 

Hier besteht die Gefahr, dass sich diese Beschwerden durch übermäßige Gesundheitsängste, Schon- und Vermeidungsverhalten sowie durch unangebrachte Verhaltensweisen von Ärzten bzw. Therapeuten weiterverstärken und verfestigen. Um einer solchen Chronifizierung vorzubeugen ist eine gezielte psychotherapeutische Betreuung sinnvoll, um zusammen einen Ausweg aus dem

 

Teufelskreis:

 

 ->Beschwerden ->Sorgen und Ängste ->Schonung-> noch mehr Beschwerden

 zu entwickeln.

 

Einige Patienten bringen bereits ein vages Erklärungsmodell mit in die Therapie, z.B. Frau F. 46 Jahre, Angestellte im Vertrieb: „Ich habe das Gefühl, dass mein Körper seelische Belastungen „sichtbar“ macht. So leide ich häufiger unter Kopfschmerzen, Schulter-Nackenverspannung und Schlafstörungen mit vermehrtem Grübeln und erkenne erst im 2. Schritt, dass Belastungen am Arbeitsplatz, wie ein Konflikt mit einer Kollegin und Ärger über Organisationsprobleme dahinterstecken.“

 

Im Rahmen therapeutischer Gespräche, berichten Patienten oft über eine Vielzahl von Belastungen im privaten, familiären oder berufsbezogenen Umfeld, wobei sie diese Situation meist noch als „normal“ einstufen, da sie ja gewohnt sind damit umzugehen. Dass der Körper hier möglicherweise schon über einen längeren Zeitraum signalisiert, dass diese Belastungen „nicht normal“ sind wird von den Betroffenen oftmals nicht in einen Zusammenhang gestellt und damit erkannt.

Viele Patienten versuchen zunächst sich an Belastungen anzupassen, „die Zähne zusammenzubeißen“, weiter zu funktionieren, „die Fassade aufrechtzuerhalten“.

 

In diesem Zusammenhang ist auch nicht verwunderlich, dass im Durchschnitt sieben Jahre vom Auftreten erster körperlicher Symptome bis zur Diagnosestellung und Behandlung einer psychosomatischen Erkrankung vergehen.

 

Damit es soweit nicht kommt, finden Sie hier einen Überblick über die wichtigsten aktuellen Leitlinienempfehlungen im Umgang mit sog. somatoformen Körperbeschwerden:

 

Aufsuchen eines Arztes:

 

In den meisten Fällen sollten Sie zunächst Ihren vertrauten Hausarzt oder einen Arzt aufzusuchen, der Sie schon länger kennt. Mit ihm zusammen können Sie überlegen, ob ein Spezialist zur Rate gezogen werden sollte, in Fachrichtung dann natürlich von der Art Ihrer Beschwerden abhängig ist. Wichtig ist, dass Sie sich gut aufgehoben fühlen.

 

Zum Arzt sollten Sie gehen, wenn die Beschwerden anhalten, schlimmer werden, immer wieder kommen oder die besonders beeinträchtigen oder belasten. Oft kann man ein wenig warten, da viele Beschwerden von selber wieder verschwinden. Auch eine Veränderung des eigenen Verhaltens oder der äußeren Umstände kann sinnvoll sein.

 

Diagnosestellung:

 

Bei somatoformen Körperbeschwerden kann sich Ihr Arzt nicht auf ( für eine bestimmte Erkrankung eindeutige) körperliche Untersuchungsbefunde stützen. Zusammenhänge mit der persönlichen Lebenssituation des Betroffen sind aber häufig.

 

Deshalb sind Ihre Sicht der Dinge und Ihre persönlichen Erfahrungen und Beobachtungen für die richtige Einordnung Ihrer Beschwerden und für die richtige Wahl weiterer Schritte entscheidend.

 

Bereiten Sie deshalb Ihren Arztbesuch vor. Unnötige Untersuchungen sollten unbedingt vermieden werden, da sie Ihnen auch schaden könnten.

 

Wenn Ihr Arzt Ihnen mitteilt, dass er keine körperliche Krankheit findet, die Ihre Beschwerden ausreichend erklärt, fragen Sie nach, was das für Sie bedeutet „Ist das gefährlich, verschwindet das wieder, muss bzw. kann ich etwas dagegen unternehmen?“

 

 

Behandlungsziele:

 

Je nach Ausmaß Ihrer Beeinträchtigung geht es um Verbesserung Ihrer Lebensqualität und Ihrer Funktionsfähigkeit im Alltag und Beruf. Das Ziel, die „wahre Ursache“ Ihrer Beschwerden zu finden, ist vielleicht zweitranig – oft kann sie ohnehin nicht abschließend geklärt werden oder es handelt sich um eine Kombination verschiedener Einflüsse.

 

Wenn Sie sich ein ehrgeiziges Ziel stecken, wie z.B. sofort beschwerdefrei werden zu wollen, sind Enttäuschungen praktisch vorprogrammiert!

 

Ein gutes Leben trotz der Beschwerden bzw. mit den Beschwerden oder mit weniger Beschwerden könnte stattdessen ein erster Teilschritt der Behandlung sein.

 

Behandlungsmaßnahmen bei leichten Verläufen:

 

1. Ein Erklärungsmodell für Ihre persönliche Symptomatik finden, die z.B. einen   

    Zusammenhang zwischen Stress- und Körperbeschwerden unter Berücksichtigung      

    Ihrer persönlichen Lebenssituation beschreibt.

 

2. Eigene Mitarbeit im Hinblick auf körperliche und soziale Aktivierung:

  • Bleiben Sie aktiv.
  • Nehmen Sie am gesellschaftlichen Leben teil.
  • Pflegen Sie Ihre Kraftquellen, Ressourcen und Hobbys.
  • Achten Sie darauf, Probleme zu klären, sich nicht seelisch übermäßig zu

belasten.

  • Beachten Sie, dass Ihre Gedanken Ihre Gefühle beeinflussen und damit auch das Ausmaß Ihrer Körperempfindungen.
  • Achten Sie auf eine gesunde Lebensführung, regelmäßige Mahlzeiten und ausreichender Schlaf.

 

 

 

Behandlungsmaßnahmen bei schweren Verläufen:

 

Hier kommen Elemente einer ambulanten und/oder auch stationären psychosomatischen Therapie zum Einsatz.

 

  • Gestufte körperliche bzw. sportliche Aktivierung, spezielle Schulungen oder Programme, mit dem Zweck sich nicht zu überlasten oder aber den Körper durch anhaltende Schonung weiter zu schwächen.
  • Gezielte symptomorientierte Maßnahmen je nach Beschwerdebild, evtl. auch ein Behandlungsversuch mit Medikamenten.
  • Eine symptom- und bewältigungsorientierte Psychotherapie mit Klärung spezifischer situativer Belastungsfaktoren aus Ihrem privaten und/oder beruflichen Umfeld unter Berücksichtigung von Aspekten Ihrer Persönlichkeit.

 

Grundsätzlich sind Verfahren, bei denen Sie aktiv mitarbeiten und die Sie auch im Anschluss an eine Behandlungsmaßnahme alleine zu Hause anwenden können, grundsätzlich Erfolgsversprechender als passive Anwendungen.

 

Tipps für Angehörige:

 

Nehmen Sie das Leiden des Betroffenen ernst und stellen Sie dies nicht in Frage. Es ist weder eingebildet noch vorgetäuscht.

 

Informieren Sie sich evtl. gemeinsam mit dem Betroffenen über das Beschwerdebild. Machen Sie sich klar, dass es für solche Beschwerden meist mehrere körperliche, seelische und soziale Ursachen gibt, dass man deshalb ganzheitlich mit Ihnen umgehen sollte.

 

Versuchen Sie mit ihren Angehörigen darüber ins Gespräch zu kommen, wie es Ihnen beiden jeweils mit der Situation geht. Schonen Sie Ihre eigenen Kräfte. Achten Sie auf gegenseitige Anerkennung und Wertschätzung für das, was jeder bereits leistet, um die Beschwerden besser zu bewältigen.

 

Fördern Sie aktives und positives Verhalten!

 

 

Therapeutische Behandlungsmöglichkeiten in der MediClin Deister Weser Kliniken Abt. Psychosomatik und Verhaltensmedizin:

 

 

Gemeinsam mit Ihrem Bezugstherapeuten erarbeiten Sie ein bio-psycho-soziales Gesundheitsmodell. Unter dem Blickwinkel der Verhaltenstherapie werden hier auslösende Faktoren, aufrechterhaltende Bedingungen und auftretende Konsequenzen in einem Zusammenhang gebracht, mit dem Ziel, Ihre aktuellen Beschwerden besser zu verstehen und eine mögliche Funktionalität (Wozu?) zu erkennen.

 

Im Rahmen von Selbstbeobachtungsprotokollen (Befindlichkeitstagebücher) lernen Sie, welchen Einfluss Gedanken und Einstellungen auf Ihre Beschwerden haben und Sie üben im Rahmen von Gruppentherapien Entspannungstechniken, Training der Achtsamkeit und einen gezielten Aktivitätenaufbau, mit dem Ziel, auch im Anschluss an die stationäre Therapie, im Alltag mit Ihrer Symptomatik besser umzugehen zu können.

 

Für viele Patienten ist es wesentlich, „wieder Herr/Frau im eigenen Haus“ zu werden, d.h. wieder Vertrauen in die körperlichen Funktionsabläufe zurückzugewinnen und zu erleben, dass Sie hier durch verschiedene Behandlungselemente selbstwirksam und steuernd eingreifen können.

Spezielle Behandlungsbausteine sind im Rahmen der stationären Therapie:

  • Verhaltenstherapeutisch ausgerichtete Einzelgespräche mit Erarbeitung eines individuellen Erklärungsmodells für ihre Beschwerden
  • Depressionsgruppe, Angst- und Krankheitsbewältigungsgruppe
  • Erlernen von Problemlösetechniken
  • Training sozialer Kompetenzen
  • Entspannungstraining , Atemtherapie, etc.
  • Tanztherapie, Stimme und Gesang
  • Genuss- und Achtsamkeitstraining
  • Ergo-, Musik- und Kreativtherapie
  • Sport- und Physiotherapie
  • Spezifische Ernährungsberatung
  • Sozialberatungsgespräche
  • Paar- und Familiengespräche
  • ….
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